Fotozeilen

Noch mal was aus dem Archiv: Einige Restbestände meines früheren Blogs „Fotozeilen“ von Mai 2007 bis März 2008; nicht alle Texte, aber zumindest diejenigen, um die ich es schade fände, wenn sie demnächst weg sind.

Tipps für Photoshopper

Jeder Photoshop-Intensivnutzer hat seine ganz eigene Art und Weise, bestimmte Probleme zu lösen – einige meiner Spezialitäten habe ich in mehreren druckfreundlich in A4 angelegten PDF-Dateien zusammengefasst. Hier im Download-Angebot sind:

eine Abhandlung über den Umgang mit Einstellungsebenen und Ebenenmasken in CS oder CS2 auf Deutsch
http://www.wort-und-satz.de/Grafiken/Ebenenmasken_low.pdf
oder Englisch
http://www.wort-und-satz.de/Grafiken/Layermasks_low.pdf
sowie, nur auf Deutsch, eine Einführung in den RAW-Workflow mit Photoshop Elements und Adobe ACR
http://www.wort-und-satz.de/Grafiken/ACR_PSE_low.pdf
Letzteres Dokument habe ich ursprünglich für eine Freundin geschrieben, Sie werden also geduzt :-)

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Sechsmalsechs-Objektive

Man hört viel obskures Zeug darüber, welcher Kleinbild-Brennweite nun ein bestimmtes 6×6-Objektiv entspreche. Und als mir ein ansonsten durchaus mit der Hasselblad vertrauter Verkäufer erzählte, das 250er sei einem 200er bei Kleinbild äquivalent, hab‘ ich mal angefangen, selbst nachzurechnen.

Vordergründig ist das gar nicht so leicht, schließlich ist das eine Format quadratisch, während das andere ein 2:3-Verhältnis abbildet. Also hab‘ ich mir folgenden Ansatz ausgedacht:

Möglichkeit A: Mein Ziel-Format ist quadratisch. Dann kann ich das Hasselblad-Negativ (56×56 mm) unbeschnitten verwenden und beschneide das Kleinbild-Negativ auf 24×24 mm. Der Brennweiten-Umrechnungsfaktor beträgt also 24:56 entsprechend 0,43.

Möglichkeit B: Mein Ziel-Format ist 2:3. Das Kleinbild bleibt unbeschnitten, das Hasselblad-Negativ wird auf 37,3×56 mm beschnitten. Der Umrechnungsfaktor beträgt 36:56 entsprechend 0,64.

Mein olles 150er Tessar entspräche also, wenn ich von einem quadratischen Zielformat ausgehe (und bisher habe ich noch nie ein 6×6-Foto anders als quadratisch vergrößert) in etwa einem 65er Kleinbild-Objektiv. Und wenn ich auf ein Standard-Fotoformat abziehen wollte, wäre der Bildausschnitt knapp dem eines KB-100ers äquivalent.

Das besagte 250er schließlich käme, je nachdem, höchstens 160 Millimetern bei Kleinbild gleich. (So oder so wäre es mir viel zu lang … das 150er ist als mein einziges Hasselblad-Objektiv für meine Zwecke schon sehr nah am Optimum.)

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Fortgeschrittene Rückständigkeit

Allzu oft wird heute für mein Empfinden als technischer Fortschritt angepriesen, was doch nur eine aufwendige Notlösung ist, um prinzipielle Schwächen neuerer Systeme zu kompensieren.

HDR etwa: Mit Mehrfachbelichtung und aufwendiger EBV-Nachbearbeitung reproduziert man so mit der Digiknipse einen Kontrastumfang, der für jeden handelsüblichen Farbnegativfilm selbstverständlich ist.

Oder Bildstabilisations-Mechanismen in Kameragehäusen und Objektiven: Super, endlich kann man mit einer brandaktuellen Spiegelreflex ohne Stativ die gleichen Verschlusszeiten verwenden wie mit einer Messsucherkamera schon seit einem Dreivierteljahrhundert.

Schön auch die immer komplexeren autofokus- und mehrzonenmessfeldgekoppelten TTL-Blitzsysteme: Nichts wäre leichter, als den Zusammenhang zwischen Blende, Entfernung und Blitzleistung zu begreifen und mit vollständig manueller Steuerung wunschgemäß belichtete Blitzfotos aufzunehmen. Aber nach Jahrzehnten der Gewöhnung an eher durchschnittlich als perfekt belichtete Aufnahmen (bereits die Mehrsegment-Messung selbst ist ja nur ein albernes Herumdoktern an den grundsätzlichen Defiziten einer kamerainternen Belichtungsmessung) scheint der heutige Fotograf zufrieden zu sein mit dem, was Kamera-Programmierer für ausgewogene Belichtung halten. Und im Zweifelsfall merkt er es gar nicht mehr, wenn das Messsystem an den Grenzen seiner Möglichkeiten massiven Blödsinn verzapft.

Nun ja, was soll’s, all die tolle Technik ist zumindest ordentlich teuer, und der intellektuelle Offenbarungseid des Kunden ist die Existenzgrundlage des Händlers …

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Schärfe allein macht’s nicht

Das Beste an größeren Filmformaten seien Schärfe und Detailreichtum? Ach i wo, das Beste an meinen 6×6-Dias sind die schönen Unschärfen. Wenn sich auf Landschaftsfotos mit dem moderaten 150er die Hintergrundstrukturen so wunderbar weich auflösen, wie ich das bei Kleinbild oder DX bestenfalls vom starken Tele kenne, weiß ich wieder, warum ich die zusätzlichen Kilos durch die Gegend trage.

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Kamerabelichtungsmesser sind für Anfänger, die es bleiben wollen.

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Understatement, mal preisgünstig

Wann haben Sie zuletzt versucht, eine Fototasche zu kaufen? Furchtbar. Nahezu ausnahmslos sehen diese Dinger so martialisch aus, als gehörten sie zur Grundausstattung der Navy Seals. Ihre meist maßlos übertriebene Rundumpolsterung macht sie in Relation zum nutzbaren Packmaß unglaublich sperrig und unflexibel. Und ihre eindeutige Erkennbarkeit als Container hochpreisiger Elektronik schreit so deutlich „klau mich“, dass es bereits aus hundert Metern vernehmlich ist.

Zwar nutze auch ich hin und wieder noch eine klassische Reportertasche – die Domke ist konkurrenzlos in der Handhabung, wenn man mit mehreren Kameras und Objektiven zugleich jongliert -, aber fürs kleine Equipment beim Wochenendausflug bin ich aus all den genannten Gründen mittlerweile auf eine billige Understatement-Lösung umgestiegen: Eine simple 6,99-Euro-Schultertasche mit Überschlagdeckel und Vortasche schluckt im Hauptfach eine Kleinbildkamera mit 50er Optik, daneben den Handbelichtungsmesser in seiner eigenen Schutztasche; die Kamera liegt auf dem Tagesvorrat an Filmen, noch in der Pappschachtel, schön weich. Und in der Vortasche steckt der textile, gepolsterte Filtersafe für die paar Standard-SW-Kontrastfilter und fungiert als zusätzlicher Puffer für die Kamera nach außen.

Mehr Schutz braucht meine Ausrüstung nicht, und unauffällig ist’s obendrein.

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Digitalfotografie ist Fotografie. Minigolf ist Golf.

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Wieso kam mir der Gedanke erst heute: Es steckt eine gewisse Symbolik darin, dass nahezu alle Benutzer von Digiknipsen die Kamera instinktiv auf Armeslänge von sich fern halten.

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Arbeitsteilung

Adobe kann noch so viel Post schicken: Ich wüsste nicht, weshalb ich privat eine neuere Photoshop-Version als CS benutzen müsste; es sind einfach keine Funktionen dabei, die ich zusätzlich bräuchte. (Und mal ehrlich: Schon das Update von 6.0 auf CS war teuer genug.) Mit einer Ausnahme: Ein etwas modernerer Raw-Konverter als ACR 2.x dürfte es schon sein.

Freundlicherweise lag aber dem Flachbett-Scanner eine CD mit PS Elements 3 bei. Und dieses ansonsten überaus bescheidene Progrämmchen (eine Bildbearbeitung ohne Alpha-Kanäle ist gar keine) arbeitet, zumindest auf dem Mac, tatsächlich mit ACR in der 3er Version. Und die hat erstens den Vorteil, dass sich auch D70s-Files ohne Umweg öffnen lassen (in CS muss ich alles pauschal nach DNG konvertieren, bevor ich auch nur eine Voransicht erhalte) sowie zweitens einige Automatiken, die zumindest interessante Diskussionsgrundlagen für die Konvertierung darstellen.

Also werden jetzt die D70s-Fotos in Elements gesichtet/vorsortiert und dann entweder in ACR 3 roh editiert und in Elements als PSD gespeichert oder aber als Stapel in DNG konvertiert. Diese beiden Formate kann Photoshop CS anstandslos öffen.

Sehr angenehme Arbeitsteilung soweit. Zur Einführung von ACR 4 war allerdings zu lesen, dass dieser keinen niedrigeren Konverter neben sich duldet. Will sagen: Wer ein neues Elements mit neuem ACR installiert, der kann seinen alten Konverter mit PS CS nicht mehr verwenden. Sympathisches Geschäftsmodell irgendwie …

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Die Adobe Bridge stürzt mir dauernd ab. Kontaktbögen nie.

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Ist ja affig

Ist ja auch ein Gorillapod.


Dieses albern ausschauende Stativchen von nicht mal 250 Gramm trägt anstandslos sogar die olle 6×6. Und dabei ist es super-flexibel und schnell in der Handhabung. Typischer Fall von „Wenn’s das damals schon gegeben hätte …“

(Natürlich ist das Foto inszeniert: Im echten Leben wäre eine Streulichtblende auf dem Objektiv.)

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Bildersprache

Manchmal verstehe ich, warum Franzosen so viel Wert darauf legen, ihre Sprache nicht durch äußere Einflüsse verunreinigen zu lassen. Beispielsweise fehlt es im Fotografie-Kontext dem Begriffspaar „analog – digital“ an wirklicher Aussagekraft. Demgegenüber ist „argentique – numerique“ von geradezu silberglänzender Klarheit …

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Flexibel

Wenn ich analog fotografiere, bin ich an die Empfindlichkeit und Farbcharakteristik des jeweils eingelegten Films gebunden, während ich digital sämtliche Parameter frei wählen kann? Umgekehrt wird ein Schuh draus:

Unabhängig davon, was ich an der Digitalkamera einstelle, bleibe ich an die grundlegenden Farb- und Rauscheigenschaften immer desselben Sensors gebunden, kann Schärfe, Kontrast und Körnung nur sehr eingeschränkt modifizieren. Wählbare Empfindlichkeit und Weißabgleich sind die beiden Stärken von Digitalkameras, aber alle sonstigen Variablen sind in einem hochwertigen Scan in mindestens derselben Qualität justierbar, wie sie bei der Konvertierung einer Raw-Datei möglich ist.

Und die trotz Marktbereinigung immer noch enorme Bandbreite des verfügbaren Filmmaterials kommt als Bonus obendrauf: Denn die Charakteristika unterschiedlicher Emulsionen lassen sich nur mühsam und unbefriedigend digital simulieren. In der Summe ist analoge Bildaufzeichnung für mein Empfinden daher das flexiblere Medium.

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Unbearbeitet

Wie kommt es, dass bei der Online-Präsentation analoger Fotografie oftmals zu lesen ist, es handle sich um „unbearbeitete Scans“, als sei das ein Qualitätsmerkmal? In der Dunkelkammer gilt doch derjenige als besonders kompetent, der seinen Negativen gegebenenfalls mittels komplexer selektiver Nachbearbeitung das jeweilige Optimum an Tonwertumfang entlockt – warum sollte das in der digitalen Weiterverarbeitung analoger Vorlagen anders sein?

Denn falls das Prädikat „unbearbeitet“ eine objektiv neutrale Reproduktion der Vorlage versprechen soll, wird es dieses Versprechen in den seltensten Fällen einlösen: Bereits zwei verschiedene Scanprogramme liefern in ihrer jeweiligen Grundeinstellung von derselben Vorlage auf demselben Scanner typischerweise sehr unterschiedliche Dateien, und um bis zum Ausgabemedium (hier also dem Monitor eines Internet-Rechners) weitestgehende Originaltreue zu gewährleisten, ist ein sehr ausgefeiltes Farbmanagement-Konzept erforderlich.

Davon abgesehen: Was ist Originaltreue? Ist es im Fall eines Schwarzweiß-Negativs die penible lineare Tonwertumsetzung oder doch eher eine der Fotografen-Intention entsprechende Modifikation der Gradationskurve im Scannertreiber? Ist die maximale Leuchtkraft der Farben am Monitor originalgetreu, oder sollte man die Brillanz eines Papierabzugs simulieren? Falls letzteres: Matt oder glänzend?

In der Dunkelkammer wird ein Abzug in harter 4er Gradation wohl kaum als weniger „original“ gelten als ein weicher 2er; und auch die selektive Korrektur fehlbelichteter Partien und unerwünschter Kontrastumfänge gehört seit jeher zum Repertoire fortgeschrittener Fotografen. Wenn nun solche Eingriffe mit den Photoshop-Äquivalenten von Abwedler und Schwämmchen stattfinden, macht das die Resultate doch nicht weniger authentisch.

„Unbearbeitet“ kann also kein Qualitätsmerkmal für einen Scan sein, sondern lediglich eine dokumentarische Fußnote; und originalgetreu ist immer das Bild in derjenigen Ausarbeitung, die der Absicht des Fotografen bei der Aufnahme am ehesten entspricht, welche Werkzeuge auch immer dabei zum Einsatz kamen.

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Analog fotografieren, digital archivieren

Auf seine Art das Beste aus zwei Welten: Negative in der Hülle mit weicher Kontrasteinstellung auf dem Durchlicht-Flachbettscanner einlesen – 6×6 geht auf einmal, KB braucht zwei Durchgänge, die mit Photomerge zu einer Datei verbunden werden -, anschließend einen Auswahlrahmen um ein Motiv ziehen, auf Basis der Auto-Tonwertkorrektur grob justieren und hintereinander weg alle durcharbeiten.

Bei 200% @300dpi (bei 6×6 reicht 100%) hat man damit eine gute Motivvoransicht am Monitor, und im Gegensatz zu einem klassischen Kontakt sind die Bilder sogar individuell „belichtet“. Der Zeitaufwand hält sich mit ca. 10-15 Minuten auch im Rahmen. Schöne Sache das …

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Aus Neu mach‘ Alt. Aber warum?

Die aktuelle Ausgabe des c’t Specials „Digitale Fotografie“ unterstreicht trotz gewisser Überschneidungen mit den Vor-Nummern (und einem ungewohnten Mangel an Gimp-Tipps) einmal mehr meinen Eindruck, dass diese Publikation zu den Lesenswertesten ihres Sektors gehört. Zu den Anschauenswertesten obendrein – tolle Beispielbilder mal wieder, Respekt, Herr Saur!

Allerdings ist mir nicht ganz klar, wieso das Nachbilden von klassisch „analogen“ Bildergebnissen in einem digitalen Workflow so großen Raum einnimmt. Okay, die Tabelle mit der Übersetzung der Spektralcharakteristika diverser SW-Filme in Kanalmixer-Werte ist eine schöne Fleißarbeit, aber hey: Wenn ich die Tonalität von Tri-X brauche, belichte ich einen Tri-X :-)

Oder andersrum: Wenn ich schon die digitale Bildaufzeichnung mit ihren ganz spezifischen Eigenarten nutze, dann ist es doch interessanter und kreativer, diese Eigenarten herauszuarbeiten und mich um Neues zu bemühen, statt handwerklich zu retrofokussieren und Resultate anzustreben, die ich auf konventionellem Wege mindestens ebenso gut erreiche.

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Die Lücke steckt im Detail

Wenn Bildqualität, da durchweg nicht in nennenswertem Maße vorhanden, nicht als Entscheidungskriterium für eine Digital-Kompaktkamera taugt und auch sonstige fotografische Ansprüche in diesem Segment eher nicht bedient werden, dann muss man bei der Entscheidung für eine Hosentaschenknipse andere Maßstäbe anlegen.

Vordergründig sehen sie ja alle gleich aus, all die Coolpix, Cybershot, Lumix, Optio und Powershot. Beworben werden auch immer dieselben Kriterien: Zoomfaktor, Megapixel, Videoauflösung; vielleicht noch die Anzahl der Motivprogramme und natürlich die vollautomatische Grinsgesichterkennung. Aber wenn man genauer hinschaut, im Laden ein paar Modelle in die Hand nimmt, hier oder hier detaillierte Datenblätter wälzt und auf Herstellerwebsites nach PDF-Bedienungsanleitungen sucht, dann stellt sich raus, dass die konzeptionellen wie funktionellen Unterschiede im Detail so gravierend sein können, dass das Vorhandensein oder eben Fehlen des einen oder anderen Features sehr wohl kaufentscheidend sein kann.

Zuerst einmal zu denjenigen Merkmalen, deren Relevanz in umgekehrter Relation zu ihrer werblichen Präsenz steht und um die man sich als Kamera-Interessent meines Erachtens nicht kümmern muss.

Über Megapixel ist inzwischen fast alles gesagt. Die Größe und Pixelauflösung des Displays hat für mein Empfinden ähnlichen Nullwert, da es angesichts heute spottbilligen Speichers (Standardkarten pro GB inzwischen deutlich unter 10 Euro) reine Zeitverschwendung ist, auf dem Schirmchen was kontrollieren zu wollen, statt rasch noch zwei, drei Varianten zu knipsen. Optische Sucher sind theoretisch nützlich, praktisch aber immer viel zu klein und ungenau; bei einer Ultrakompakten kann man bei Sonneneinstrahlung notfalls das Display mit der Hand abschatten. Halbautomatische und manuelle Belichtungseinstellungen braucht man nicht, weil die Blende meist sowieso nur zwei Positionen je Zoomstufe hat; alle notwendigen Korrekturen gehen mit Messwertspeicher nebst +/–Korrektur ohnehin viel schneller.

Viel interessanter und im Einzelnen bei den diversen Modellen einer Klasse sehr unterschiedlich gelöst sind folgende Aspekte:

Grundlegende Bedienbarkeit: Passt das Knöpfchenlayout zu meiner Handgröße, die Menüführung zu meinen Erwartungen an die Bedienlogik? Für HDR-Fans: Ist die Belichtungskorrektur gut zugänglich, gibt es im Idealfall eine Belichtungsreihenautomatik („Bracketing“)? Bei schwachem Licht hilfreich ist es, wenn auf dem Display auch die Einstellungen eines etwaigen Drehreglers abgebildet werden.

Akkukapazität: Darf gern reichlich sein, auch wenn die Kamera dann zehn Gramm mehr wiegt. Denn große LCDs und neumodischer Krams wie Stabilisatoren schlucken nicht zu knapp.

Variabilität und Informationsgehalt des Displays: Lassen sich bedarfsweise Gitterlinien einblenden? Wird auch im Vollautomatikmodus die zu erwartende Verschlusszeit angezeigt statt nur einer diffusen Verwacklungswarnung, z.B. bei halbem Auslöserdruck? Gibt es eine kontinuierliche Batteriezustandsanzeige oder bloß eine Warnung kurz vor leer? Hat der Wiedergabe-Modus ein Histogramm, vielleicht sogar eine Anzeige beschnittener Lichter?

Regelbereich von Empfindlichkeit und Verschlusszeit: Natürlich werden ISO-3200-Fotos einer Kompakten gruselig rauschen, aber zu dokumentarischen Zwecken ist ein schlechtes Foto besser als gar keins. Und ob die Verschlusszeitenspanne bei einer, zwei, vier Sekunden aufhört oder sich bis in den Minutenbereich erstreckt, macht einen enormen Unterschied, wenn man auch mal bei Nacht experimentieren will. (Achtung, die Extremwerte beider Parameter lassen sich bei Kompakten oft nur via Motivprogramm einstellen; hier hilft ein Blick in die Anleitungen der Modelle in der engeren Wahl.)

Das zumindest war mein Kriterienkatalog, als neulich der Ersatz meiner ersten Hosentaschenknipse fällig war. Zusammen mit dem Umstand, dass ich nicht viel mehr als 100 Euro ausgeben wollte, bin ich letztlich bei einem Panasonic-Auslaufmodell der 6MP-Klasse gelandet, der Lumix DMC-FX10. Die kann nicht alles, was ich mir erhofft hätte (am meisten fehlt mir automatisches Bracketing), aber ihre Möglichkeiten speziell bei schwachem Licht (Regelbereich bis 60 Sekunden vorwählbar; ISO 3200 vorhanden, 1250 brauchbar) gehen für den Preis völlig in Ordnung.

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Fotografen sind Gewohnheitstiere

Heute hatte ich leihweise ein Hasselblad-Objektiv der (neueren) CF-Baureihe an meiner Kamera und musste mir vor jeder Aufnahme ins Gedächtnis rufen, dass die Lichtwertkopplung von Blende und Verschluss genau anders funktioniert als in der C-Reihe. Sooo lange nutze ich den Schwedenkubus noch gar nicht; aber dass ich bei meiner Prähistorischen ein Sperrknöpfchen drücken muss, um Blende und Verschluss getrennt zu verstellen, habe ich bereits so verinnerlicht, dass ich vor jeder Aufnahme mit dem CF doppelt prüfen musste, ob ich noch den richtigen Lichtwert eingestellt hatte.

Die gemeinsame Verstellung von Blende und Verschlusszeit dergestalt, dass der resultierende Lichtwert stets gleich bleibt, wäre übrigens ein Feature, das sich in Zeiten elektronischer Blendenregelung problemlos auch in neuesten Spiegelreflexen implementieren ließe. Ein Extra-Knöpfchen an der DSLR, das man gedrückt halten müsste, um mit nur einem Einstellrad Blende und Verschlusszeit gegenläufig-synchron zu regeln, würde das manuelle Arbeiten sehr viel angenehmer machen.

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Extrem normal

Neulich mal durchgezählt: Fest eingebaute Objektive in Kompaktkameras und Spezialisten wie das Lensbaby mitgerechnet, besitze ich im Kleinbild-Bereich zurzeit zehn Festbrennweiten im Bereich 35 bis 55 Millimeter, also Normalobjektive. Viel was anderes brauche ich auch gar nicht, und praktisch alles auf meinem Wunschzettel (gebraucht vielleicht noch ein 2,8/45 und ein Zeiss 2,0/50 Makro?) findet sich auch in diesem kleinen Bereich. Mit der einzigen Ausnahme des 105mm Makro nutze ich meine übrigen Linsen kaum (noch). Früher hatten Weitwinkel und Tele ja ihren Reiz, aber meiner momentanen Fotografie kommt es einfach entgegen, wenn das Dargestellte sich nicht allzu weit vom Augeneindruck entfernt – für die subjektive Komponente sind Bildkomposition und Nachbearbeitung zuständig. Manchmal komm‘ ich ja noch bei Extremweitwinkeln ins Schwärmen (vor allem für die M-Leica), aber realistisch betrachtet brauche ich so teures Glas einfach viel zu selten.

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Aus der Reihe „Probleme, die wir mit Film nie hatten“

Faustregel zum Umgang mit der DSLR: Für je drei Mal Objektivwechsel die kleinste benutzte Blende um eine Stufe öffnen. Denn wenn der Sensor eine Weile nicht geputzt ist, dann macht Blende 11 oder 16 eine Menge Arbeit.

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Wenn ich mir eine Digitalkamera wünschen dürfte

Meist bin ich in meinen Gestaltungsideen ja streng aufs Zweidimensionale festgelegt. Aber manchmal geht der Produktdesigner aus Kindertagen mit mir durch, und dann male ich Dinge, die ich gern hätte. Beispielsweise frage ich mich jedes Mal, wenn ich meine gute alte Rollei 35S benutze, warum es so etwas nicht in Digital gibt: eine Kamera mit fest eingebauter, versenkbarer, hochwertiger Normalbrennweite, einem guten optischen Sucher und angenehmer Ergonomie.

Wenn ich also meine Idealvorstellung einer digitalen Immer-dabei-Knipse verwirklichen könnte, dann würde ich die Rollei als Basis verwenden. Und dazu hätte ich noch einige sehr spezielle Ideen, die ich weiter hinten erläutere.

Die klassische Rollei 35 ist zwar ungewöhnlich klein in Höhe und Breite, aber für eine Kompakte recht tief, was der Ergonomie allerdings entgegenkommt. Solche Gehäuseproportionen, vielleicht an einigen Stellen etwas abgerundeter, würden es beispielsweise erlauben, DSLR-ähnliche Bedienelemente wie vorder- plus rückseitiges Einstellrad sowie großes oberes LC-Display zu verwenden, einen Akku hoher Kapazität sowie zwei Speicherkarteneinschübe. Auch wäre neben einem rückwärtigen Display noch Platz für einen brauchbaren optischen (Leuchtrahmen-)Sucher mit klassischen Elementen wie einer Lichtwaage und einer Fokus-Kontrollanzeige.

Über die Bedienung habe ich mir einige Gedanken gemacht, allerdings ohne Detailrecherche, inwieweit meine Ideen technisch realisierbar sind. Grundsätzlich enthält die Kamera ein CMOS-Element im APS-Format, also DSLR-typisch; das ist in meinen Augen die Untergrenze für ernsthafte Bildgestaltung mit Schärfe und Unschärfe. Um unter Berücksichtigung des Crop-Faktors auf „Normalbrennweite“ zu kommen (die Film-Rollei hat ein wunderbares 2,8/40), wäre hier ein Objektiv 2,0/28mm verbaut. Es ist in ausgeschaltetem Zustand im Gehäuse versenkt und mit einer Lamellenblende geschützt, manuelles Herausziehen fungiert als Hauptschalter für die Kamera. Die Frontlinse liegt so weit versenkt, dass eine gesonderte Streulichtblende nicht nötig ist.

Fokussiert wird wie bei der analogen Rollei manuell per Drehen am Objektiv, mit Fokuskontrolle im Sucher, oder (am oberen Anschlag rastet die Fokus-Regelung sanft ein) per Autofokus mit zentralem Messfeld. Eins reicht für diese Zwecke, kein Gedöns bitte! Eine erste Spezialität dieser Kamera ist die elektronische Schärfentiefekontrolle auf dem oberen Display: Abhängig von der gewählten Blende werden im zentralen Anzeigefeld die Einstellentfernung hervorgehoben und der vordere und hintere Rand des Schärfentiefebereichs zurückgenommen angezeigt. Außerdem wichtig: Unterschreitet man eine Nahgrenze von ca. 60 cm, schaltet sich automatisch das rückwärtige Display ein, um die Sucherparallaxe zu umgehen.

Die grundlegende Bedienung der Kamera funktioniert nahezu knopflos. Es gibt außer dem Wiedergabe- und dem Löschknopf nur noch einen einzigen Knopf neben dem rückwärtigen Display. Wird dieser gedrückt gehalten, schaltet man mit dem vorderen Einstellrad die Betriebsmodi durch, während man mit dem hinteren die jeweiligen Parameter verändert. Ohne gedrückten Knopf regeln die beiden Räder in DSLR-Manier Blende (2,0 bis 16) bzw. Verschlusszeit (1/4000 bis 60s, B).

Die Modi im Einzelnen (der Anzeige oben im Bild, also dem oberen Display, folgend): 1. „Mode“/Belichtungssteuerung: Programmautomatik (an Mehrfeldmessung gekoppelt), Zeitautomatik (Mehrfeld oder Spot), manuell (nur Spot). 2. „Drive“/Aufnahmefrequenz: Einzelbild, Dauerlauf langsam/schnell (2 B/s, 5 B/s) 3. „Timer“/Selbstauslöser: 2 oder 10 s Vorlauf 4. Belichtungsreihe: wählbar 3 bis 9 Bilder, 1/3 bis 2 Blenden Abstufung (Hier übrigens ein „Muss“ für meine Kamera: Wird „Bracket“ mit „Timer“ kombiniert, so löst einmaliges Auslösen sämtliche Aufnahmen aus.) 5. „Card“/Karte 1 und 2: in den Feldern rechts jeweils Anzeige belichteter und noch verbleibender Aufnahmen 6. „ISO“/Sensorempfindlichkeit: 100 bis 6400, sollte bei CMOS dieser Größe kein Thema sein 7. „Time“, „f/“ und „Focus“ zeigen die klassischen Parameter an, „Focus“ wie erwähnt auch die Schärfentiefe 8. „Exp./Bracket“ ist eine erweiterte Lichtwaage über +/- 4 Blenden, die im Spotmess-Betrieb außer dem aktuellen auch die Werte für drei weitere Messpunkte a, b, c anzeigt.

Was sich an dieser Kamera nicht einstellen lässt, sind Firlefanzien wie Weißabgleich, Schärfung/Kontrast/Sättigung sowie JPG-Kompressionsstufen, weil sie ihre Bilder ausschließlich als DNGs aufzeichnet. Dieses Gerät liefert ausschließlich Rohmaterial für die Weiterbearbeitung, das aber auf möglichst hohem Niveau.

So, bleibt nur die Frage: Wer baut mir das gute Stück?

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Wir sind noch lange nicht fertig

Bloß weil das Gesetz gegen Gewaltenteilung und zur Einrichtung von Zensurinfrastrukturen Zugangserschwerungsgesetz in Bundestag und -rat nicht den wohlverdienten Gnadenschuss bekommen hat, ist das Thema seitens der Bürgerrechtsbewegung keinesfalls abgehakt. Der AK Zensur bleibt weiter am Ball, viele andere auch.

Und da sie nach wie vor mehrere Hundert Abrufe wöchentlich verzeichnet, habe ich nun meine Informationsschrift über die Zusammenhänge zwischen Kinderpornografie und Zensurbestrebungen um ein aktualisierendes Nachwort ergänzt. Wachsam bleiben! ;-)

ex Juli 2009, http://cwoehrl.de/?q=node/618

Hundekuchenkommunikation

Es gibt Menschen, die glauben an die Existenz von Social Media. Und daran, dass Social Media ein ganz duftes Umfeld für neue Formen von Marketing ist. Das ist Quatsch. „Social Media“ ist bloß ein Wortkonstrukt; worum es da geht, hat mit klassischen Medien nur die Distributionskanäle gemein, nicht aber die Eignung für Reklame.

Medien sind nämlich one-way oder zumindest massiv asymmetrisch angelegt, mit einem dürftigen Rückkanal in Gestalt eines einsamen Leserbriefredakteurs, und der tiefere Sinn ihrer Existenz ist die Bereitstellung eines werblich optimal nutzbaren Ambientes. Was in Marketingkreisen als Social Media bezeichnet wird, ist demgegenüber ein erweitertes soziales Umfeld (der Zeitgeist würde „Network“ sagen). Hier geht es nicht um Information, sondern um Kommunikation. Austausch auf Augenhöhe, gleichberechtigt. Von Mensch zu Mensch.

Marken aber sind keine Menschen, auch wenn ihre Schöpfer das manchmal vergessen. „Markenkommunikation“ ist in etwa so sinnvoll wie „Hundekuchenkommunikation“. Mit Marken kommuniziere ich nicht, schon gar nicht in meinem gewohnten sozialen Umfeld. Ja, Marketing in Dialogform kann trotzdem glaubwürdig sein, aber nur, wenn der Dialog nicht vom Unternehmen, sondern vom Kunden ausgeht. (Äußerstenfalls ist es für das Unternehmen und seine ausführende Werbeagentur statthaft, die Bereitschaft zum Dialog zu signalisieren.) Jeder Versuch hingegen, das Phantom Social Media als weiteren Push-Kanal für konventionelles Marketing zu verstehen, ist in meinen Augen zum Scheitern verurteilt; jeder unangemeldete Versuch, auf meinen angestammten Kommunikationskanälen mit mir in Kontakt zu treten, diskreditiert eine Marke sofort und auf Dauer.

(Nur am Rande sei bemerkt, dass auch solche fails noch steigerungsfähig sind: Wenn nämlich ein Unternehmen es beispielsweise für geboten hält, dieselben Leute als Testimonials für ihre socialmedialen Ambitionen zu engagieren, denen es gerade erst, sinnbildlich, durch sein schleimiges Anbiedern an zensurfreudige Politiker mit den Stiefeln ins Gesicht gesprungen ist.)

ex Juli 2009, http://cwoehrl.de/?q=node/617

Dreieinhalb Minuten

… hat der Bundesrat gebraucht, um das Zensurgesetz durchzuwinken. Na ja, war wohl nichts Wichtiges. Zum Glück sind wenigstens meine Hinweise in die Beratung eingeflossen, sonst hätte das womöglich nur zweieinhalb Minuten gedauert …

Also, falls ihr sowieso vorhabt, demnächst etwas Geld für gemeinnützige Zwecke zu spenden: Die Verfassungsklage, die jetzt ansteht, ist schätzungsweise nicht gratis. Entsprechende Kontodaten reiche ich zu gegebener Zeit nach.

ex Juli 2009, http://cwoehrl.de/?q=node/611

Nichts ist so alt wie die Zeitung von heute

Nur mal son bisschen ins Unreine gedacht … Für jemanden, der sich ans Internet gewöhnt hat, ist so eine Tageszeitung aus totem Holz doch ganz schön rückständig. Sie gehört für meine Generation noch irgendwie dazu, aber für die nächste garantiert nicht mehr. Wieso auch sollte es jemand, der vielleicht schon als Jungleser das Prinzip RSS kennen lernt, für akzeptabel halten, dass man mit der gedruckten Zeitung Tag für Tag etliche Seiten bekommt, die man mangels Interesse sowieso nie liest?

Und so stelle ich mir grade vor, wie eine Tageszeitung aussehen könnte, die den Erwartungen des 21. Jahrhunderts gerecht werden könnte:

Zuerst einmal kommt die nicht auf bedrucktem Papier, sondern elektronisch ins Haus. Als PDF in A4 zur Ausgabe auf dem heimischen Laserdrucker – ich will sie beim Kaffee in der Hand halten können -, ergänzend in einem Readerformat nach Wahl, das sich zum Lesen auf dem Smartphone, Netbook oder whatever eignet. Und der Inhalt, den ich damit erhalte, der ist weitestgehend individualisiert: Beim Abonnieren wähle ich Themenfelder aus. Also z.B. deutsche und europäische Innenpolitik, Lokalpolitik aus Hamburg und dem Umland; Wirtschaft erst mal nur das Basispaket; dasselbe für Nahen Osten und Asien; Sport sowie Schwangerschaften in Königshäusern auf gar keinen Fall; dafür en detail Medien in Deutschland und Europa, Sicherheitspolitik weltweit; Kultur Basispaket plus beispielsweise Neue Musik. – Für dieses Paket lässt sich leicht vorab kalkulieren, ob es eher 10 oder 20 Seiten täglich werden, und aus dem resultierenden Durchschnittswert bestimmt sich der monatliche Abopreis. Im Idealfall kann ich das Ganze gegen einen moderaten Aufschlag auch komplett werbefrei beziehen :)

Der Nachrichtenteil dieser individuellen Tageszeitung lässt sich auch automatisiert zusammenstellen – nichts anderes passiert in meinem RSS-Programm -, dafür brauche ich noch kein journalistisches Außenrum. Aber jetzt kommt der gewagtere Teil des Tagtraums: Ich erwarte von dieser meiner Tageszeitung massig Kommentare und Hintergrundinformationen zu den von mir gewählten Schwerpunktgebieten; die nackten News werden analysiert und in größere Zusammenhänge eingebettet, die wesentlichen innenpolitischen und wirtschaftlichen Geschehnisse aus unterschiedlichen, durchaus diametralen Perspektiven kommentiert.

Denn was, wenn nicht die Analyse und die gern auch provokative Einordnung der Nachrichten, wäre denn in Zukunft noch die Kernkompetenz des professionellen Journalisten? Für das reine Aggregieren austauschbarer Nachrichten wird er nicht mehr in jedem größeren Dorf gebraucht, das erledigen schon Google News und Co. Was dies anbelangt, muss der bewährte Spruch modifiziert werden: Nichts ist so alt wie die Zeitung von heute. Aber wenn nun die Nachrichten ergänzt sind um fundierte Hintergründe, gegen den Strich gebürstete Reportagen, aufwendige Recherche, die der gern als Bürgerjournalist apostrophierte Hobbyblogger nicht leisten kann – darin liegt meines Erachtens die Chance redaktionellen Arbeitens im 21. Jahrhundert.

Wie sich eine derartige Zeitungsdistribution auf die Arbeitsplätze in der Druckindustrie auswirken würde, ist leider offensichtlich; andererseits scheint es mir völlig unzeitgemäß, große Auflagen pauschaler Inhalte zu drucken, die jeweils nur von einem Bruchteil der Käufer gelesen werden – Nachhaltigkeit geht anders. Die interessantere Frage ist, wo im gegenwärtigen Wirtschaftsklima die für solch ein grundlegendes Erneuern erforderliche Innovations- und Investitionsbereitschaft zu finden wäre …

Nachtrag
Ergänzend ausgesprochen lesenswert: Rudolf Stumberger, „Die Krise der publizistischen Repräsentation“ bei Telepolis.

Nachtrag 2, 21. Juli
Wenn ich meedia.de nicht erst heute entdeckt wiederentdeckt hätte (da war noch ein vergessenes Bookmark vom 15.7.08), wär‘ mir das ja ein bisschen peinlich – dort hatte Stefan Winterbauer bereits am 22. Juni dieselbe Idee für die Überschrift :-) und denkt auch in eine ganz ähnliche Richtung.

ex Juli 2009, http://cwoehrl.de/?q=node/607

Juni 2011: Kommentarfunktion für diesen Artikel deaktiviert, da allein hier bis zu 15 Spam-Kommentare pro Tag auflaufen. (Und warum taucht ein lediglich bearbeiteter, nicht neu veröffentlichter Artikel noch mal im Feedreader auf? Tut mir Leid, liebe RSS-Leser …)

Literarischer Monatsrückblick: Juni 2009

Wird ein bisschen peinlich aussehen diesmal: Ich habe zwar eine Menge gelesen, aber eben fast nichts, was sich als Literatur qualifiziert, sondern nahezu ausschließlich Gesetzentwürfe, Stellungnahmen und Pressemitteilungen. Wirste auch nicht eben fröhlicher von … Zu einem Buch hat es dann aber doch gereicht:

Peter Sloterdijk: „Im Weltinnenraum des Kapitals“
Einerseits ganz schön schwere Kost (ich habe die zeitgenössische Philosophie schon länger im Verdacht, die Wissenschaft von der Verwendung unnötig komplizierter Fremdwörter an den überflüssigsten Stellen zu sein), andererseits eine sehr unterhaltsame Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen. Ich mag ihm nicht immer recht geben, aber ich mag seine Bosheiten :-)

ex Juni 2009, http://cwoehrl.de/?q=node/606

Von Abstand und Antrieb

Es war grade mal eine Woche, und allzu weit weg war ich auch nicht. Doch es ist erstaunlich, wie viel Abstand zu all dem Blödsinn der jüngsten Zeit ich gewinnen konnte. Ganz allein auf 2000 Metern über Null, fließend kalt Wasser vor der Hütte, ohne vorheriges Holzhacken kein Kaffee – und es hat nichts gefehlt. Vor allem nicht die Segnungen der modernen Telekommunikation:

Einmal mehr konnte ich feststellen, dass Internet und Co. für mich lediglich Notlösungen sind, nette Spielereien in Zeiten, da das Notwendige keinen Raum für das Wesentliche lässt. Und dass mein Engagement gegen die aktuellen Zensurbestrebungen nicht meinen eigenen Bedürfnissen entspringt – wenn mir das Netz nicht mehr gefällt, bestelle ich DSL ab und werde nicht wirklich was vermissen. Mein primärer Antrieb ist, glaube ich, väterliches Verantwortungsgefühl: Ich möchte nicht, dass meine Kinder in einer unter Sicherheitsvorwänden bis zur Erstickung reglementierten Gesellschaft leben müssen.

Der Trend hin zur Realisierung orwellscher Dystopien ist zwar deutlich, aber – so hoffe ich – nicht unumkehrbar, und da meine Jugend ganz wesentlich von Freiheiten jeglicher Art geprägt wurde, weiß ich, was für die Lütten auf dem Spiel steht. Und das ist Antrieb genug.

ex Juni 2009, http://cwoehrl.de/?q=node/605