Umzugs-Chaos

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Es hätte ganz einfach sein sollen: Da ich aus Sicherheits- bzw. Davon-Genervtheits-Gründen keine Lust mehr habe, auf meinem Webspace Datenbanken und dynamische Inhalte zu betreiben, sollten meine bisherigen WordPress-Installationen teilweise auf statische Seiten umgebaut und teilweise zu wp.com migriert werden.

Der statische Teil hat auch gut geklappt: Feingedrucktes und Lichtspuren habe ich neu gebastelt und hochgeladen, die Lichtspuren sind jetzt sogar (finde ich) noch besser handhabbar als vorher.

Aber die Bloggerei: h4ndw3rk war als wp.com-Subdomain noch zu haben, achnichts hatte ich noch von anno dunnemals, und WordPress hat theoretisch eine Export-/Import-Funktion … die aber praktisch ungefähr alle internen Text- und Foto-Links nicht etwa angepasst, sondern im Originaltext beibehalten hat. Dadurch fehlen hier nahezu alle Fotos, und die meisten Verweise führen ins Leere. Allein bei h4ndw3rk hat die Reparatur eine halbe Nacht gedauert, alles war manuell nachzubessern, und dort sind es nur rund 60 Artikel. Dieses Blog hingegen hat knapp 1200 Einträge – hier wird sich die Reparatur noch über Wochen erstrecken.

Tatsächlich war ich zeitweilig so weit, das Projekt … ach, nichts. komplett in die Rundablage zu befördern, habe mich dann aber fürs Erste doch dagegen entschieden. Jetzt ist es erst mal so, dass alle Artikel, in denen in irgendeiner Form auf cwoehrl.de verwiesen wird, auf Entwurfsstatus zurückgesetzt, d.h. nur für mich lesbar sind. (Das betrifft vor allem die älteren Einträge mit Fotos, insgesamt etwas über 500.) Die werde ich sukzessive durcharbeiten, reparieren oder auch – viele Bilddateien sind beim Ex-/Importieren gar nicht hierher mitgekommen – wegwerfen.

Aber es kommt auch gleich wieder Ersatz … Allzu lange war es nicht auszuhalten draußen an diesem Wochenende, aber es sieht ja immer gleich hübsch aus:

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Meine verlorene Generation?

Vorbemerkung: Mit „meiner“ Generation meine ich im folgenden Text ganz grob die Geburtsjahrgänge 1960 bis 1980; was uns für diese Argumentation verbindet, ist der Umstand, dass wir im Gegensatz zu unseren Kindern keine Digital Natives sind, im Gegensatz zu unseren Eltern aber noch alle Möglichkeiten hatten und haben, diesem Zustand zumindest sehr nah zu kommen.

Als unsere Größere ihr erstes Smartphone bekam – wie immer bei uns Natural Born Sceptics zwei bis drei Jahre später als alle anderen, also noch nicht in der Grundschule –, da habe ich gescherzt, dass es das Passwort fürs heimische WLAN aber erst zum 18. Geburtstag gibt. Rückblickend muss ich wohl festhalten, dass das gar nicht mal so witzig war – im Gegenteil wäre genau das (zusammen mit einer Prepaid-Karte ohne Datenoption) die richtige Strategie gewesen, unseren Kindern im ohnehin permanenten emotionalen Ausnahmezustand, der sich Pubertät nennt, einiges an Last von der Schulter zu nehmen.

Ich höre die ersten Schnappatmer. Deshalb gleich angefügt: Nein, das hätte natürlich nicht funktioniert. In einem Umfeld, in dem nahezu jede Mittelstufenschülerin permanent online schnattert und sich die zwölfjährigen jungen Hunde nicht mehr auf dem Bolzplatz, sondern auf den Multiplayer-Maps der jeweils gerade so bezahlbaren Ego-Shooter kloppen, kann ich meine Kinder nicht offline halten. No way.

Aber ich hätte es besser wissen können. Ich zumindest, und ein paar von uns in meiner Generation auch. Ich meine damit uns, die wir schon vor der Jahrtausendwende gebloggt haben (HTML freihändig ins WordPad, alle Links manuell aktualisieren, wir hatten ja nur Nullen und Einsen), die wir zu #Zensursula-Zeiten und noch ein bisschen danach einen gemeinsamen Feind hatten, die wir seit unserer ersten faszinierten Suchanfrage bei altavista.com so tief im Internet drin waren, dass wir hätten wissen müssen, was es mit uns machen kann.

Und vor allem: Was es mit dem sich gerade erst entpuppenden menschlichen Geist eines Pubertisten machen könnte.

Macht die Probe aufs Exempel. Auch ihr, die ihr Facebook schon ziemlich cool und den Rest des Internets diffus beunruhigend findet und die ihr noch nicht mal dann ins Darknet schauen würdet, wenn euch jemand den Eingang zeigte. Hier die Probe: Setzt euch an den Rechner oder schnappt euch das Tablet und sagt euch: Fünf Minuten zur Entspannung auf Instagram die neuesten Deko-Ideen durchzappen, dann weiterarbeiten.

Fünf Minuten? Immer? Eben.

Denn das ist ja erst der Anfang. Das Internet, selbst wenn man es auf die per Smartphone zugänglichen Teilbereiche reduziert, ist eine unendliche Ansammlung von Verlockungen und Abgründen. Wieso noch klassisches Schulwissen pauken, wenn doch offensichtlich alles, was man wissen muss, bei Google zu finden ist? Wieso im echten Leben treffen und abhängen, wenn es direkt nach der Schule im Bett viel gemütlicher ist und sowieso alle on sind? Wieso nur auf dem Schulhof mobben, wenn das per Bloßstellung in einer möglichst breit gefächerten Whatsapp-Gruppe viel effizienter (und schmerzhafter) klappt?

Und das alles in der Pubertät? In einer Phase, in der unsere Kinder ohnehin nicht wissen, wo oben und wo unten ist auf der Welt?

Wir haben da einen riesigen Fehler gemacht: Wir haben das Internet fasziniert von allen Seiten angeschaut und darüber die Skepsis vergessen. Wir wussten noch nicht genau, was wir davon halten sollten, aber wir hatten schon eine Ahnung, dass es nie wieder weggehen würde; und deshalb dachten wir, es sei eine gute Idee, es unseren Kindern so leicht wie möglich zu machen, sich dort auf eigene Faust zurechtzufinden.

Wir wussten ja nichts. Medienkompetenz? Also bitte, wer hätte die denn uns und dann unseren Nachfolgern vermitteln sollen? Wir selbst, noch die Internet-Affinsten unter uns, waren die meiste Zeit zu begeistert, um zu begreifen, dass dieses Medium eben doch noch mehr ist, anders, zweischneidiger, als nur die Vollendung der Brechtschen Radiotheorie. Und die Lehrer, die heute unsere Kinder unterrichten? Die sind doch unsere Generation, was sollen die denn anders machen als wir? Ich habe einen sogenannten Computerführerschein in der Mittelstufe aus der Nähe gesehen: Da wurde auswendig gebüffelt, an welchen Stellen dieser bestimmten Word-Version man zu klicken hatte, um exakt jenen Effekt zu erzielen, und wenn die Formatierung hinterher so aussah wie in der Vorlage, dann hatte man bestanden. Nur gelernt hatte man genau nichts. Aber das kann ich keinem Lehrer zum Vorwurf machen: Wir selbst hätten es doch auch nicht besser gewusst …

Kurz zusammengefasst: Mit dem Web, mit Social Media, dem Internet of Things und den Bemühungen um Künstliche Intelligenz haben wir einen Zug auf die Schiene gesetzt, der sich als lupenreiner Runaway Train entpuppt. Sieht schon irgendwer Jon Voight im Schneegestöber? Ich sehe ihn noch nicht. Aber ich sehe unsere Kinder auf den hinteren Waggons sitzen und die Fahrt live da- und dorthin streamen, und weder sie noch wir, ihre Eltern und Lehrer, wissen, wo die Reise hingeht. Aber die Idee, dass sie irgendwo hinfahren, wo wir noch nie gewesen sind, die finden wir immer noch dufte.

Habe ich eine Lösung für das Dilemma anzubieten? Nein. Aber ich habe da noch eine Beobachtung:

Wer kritisiert denn heute das Internet? Im englischen Sprachraum sind das manchmal sogar Menschen, die sich im Internet auskennen. Aber der prototypische netzskeptische Intellektuelle, der seine regelmäßigen Spiegel-Essays in seiner Muttersprache verfasst, der kokettiert offen damit, weder ein Smartphone zu benutzen noch jemals bei Facebook herumgeklickt zu haben. Dass dieser Umstand tiefe Kerben in seine Glaubwürdigkeit haut, scheint weder ihm noch seinen Claqueuren bewusst zu sein.

Möglicherweise wären wir schon einen kleinen Schritt weiter, wenn die Netzgemeinde, die sich alle Jahre wieder zwischen den Jahren unter der Weihnachtsrakete des CCC versammelt, endlich mal ihre Scheuklappen der Euphorie ein wenig zur Seite schöbe und offen kommunizierte: Leute, selbst wenn wir alle Hacks von NSA, GCHQ und BND durch Counterintelligence und zivilen Ungehorsam zum Verpuffen bringen, selbst in dem Augenblick, in dem im echten Leben das utopische Moment von Little Brother das dystopische besiegt hat, selbst wenn der Innenminister die letzte Überwachungskamera eigenhändig abschraubt, weil er es endlich begriffen hat, …

… selbst dann, Leute, ist das Internet noch nicht ausschließlich der Arabische Frühling.

Denn das Internet ist genau wie wir. Nicht nur gut, nicht nur böse, aber unter den jeweils geeigneten Einflüssen zu nahezu allem fähig. Und deshalb haben wir eine Verantwortung der nächsten Generation gegenüber – sie so lange von den extremsten Auswüchsen der Welt fernzuhalten, bis sie gefestigt genug ist, allein damit klarzukommen –, der wir zumindest im Online-Bereich der Welt bislang nicht mal im Ansatz gerecht werden.

Breitband schlucken

Fünfzehnter Tag, erstmals unter 38 Grad, yeah.

Der dritte Arzt hat sich mal nicht auf Mund auf, Schmerzmittel, nächster beschränkt. Der hat sich die Symptome nicht nur angehört, sondern auch drüber nachgedacht, um dann sinngemäß folgendes zu sagen: Das sei offensichtlich keine Tödliche Männergrippe, sondern eine echte Grippe in Rückzugsgefechten, in deren Gefolgschaft (als Troja eh schon gefallen war) sich huckepack wohl noch dieses-und-jenes Bakterium eingeschmuggelt habe.

Und dann hat er mir ein Breitband-Antibiotikum verschrieben, was gut war. 

Heute, am zweiten Einnahmetag, fühle ich mich zwar immer noch dreißig Jahre älter als noch zu Anfang des Monats, aber zumindest tut nicht mehr alles, überall, gleichzeitig weh. Das war ja die Hölle gestern früh, als ich nicht mal mehr schreiben konnte: Ich hab echt gedacht, wenn ich jetzt wüsste, wie ich da reinkomme, könnte ich mich auch direkt in die Biotonne setzen und auf den Abfuhrtermin warten …

Ich mag diese Hammerpillen zwar eigentlich nicht, was weniger mit den unangenehmen Nebenwirkungen zu tun hat als damit, dass es vor vielleicht zehn Jahren eine Phase gab, da haben sie dir für jedes quersitzende Bäuerchen Antibiotikum aufgeschrieben, und irgendwann kannst du das einfach nicht mehr ernst nehmen. Trotzdem fühlt es sich gut und richtig an, mit den Mitteln evidenzbasierter Medizin von Kopf bis Fuß gründlich chemisch gereinigt zu werden. Die Vorstellung dagegen, ich würde in dieser Phase mit Naturheilkunde traktiert – gruselig. 

Nun haben wir selbst hervorragende Ergebnisse mit Globuli erzielt, unter eng umrissenen Bedingungen: Du, ich seh grade nicht, wo dein Knie aufgeschubbert ist. Jetzt komm erst mal, kuschel dich ran und heul mir die Bluse nass. Wenns dann immer noch aufgeschubbert ist, lenken wir dich mit Zuckerkügelchen ab. Anders gesagt: Homöopathie kann nichts, was nicht auch Schoggi könnte, wäre da nicht die Fähigkeit selbst eines Vierjährigen, zwischen medizinähnlichen und Smarties-Verpackungen und ihren sehr unterschiedlichen Autoritätsversprechen zu unterscheiden.

Bin sehr froh, dass wirs erst gar nicht ausprobiert haben, aber vieles spricht dafür: Hätten wir die Sache mit Globuli in den Griff zu bekommen versucht, hinge ich jetzt wohl schon länger am Krankenhaustropf und befände mich nach allem, was man als Berufsskeptiker so hört, im spannenden Endgame mit multiresistenten Erregern. Gibt bessere Strategien, auf die Vanillehörnchensaison hinzuarbeiten.

PS: Werte GlobulistInnen, dieses Blog begreift sich inkl. seiner Kommentarsektion nicht als Gratisplattform für zweifellos existierende Anekdoten-„Beweise“ des segensreich schüttelnden Wirkens von Samuel Hahnemann. Danke.

Autos

Es mag gute Gründe geben, generell daran zu zweifeln, und viele davon habe ich selbst im Lauf der Jahre in dieses Blog geschrieben. Aber falls es doch ein Auto gibt, das zu mir, zu uns passt, dann ist es der Caddy Maxi mit seinem erstaunlich günstigen Preis-Fassungs­vermögen-Quotienten.

Vier Leute, vier Fahrräder, Tages­gepäck spontan ohne Um- und Anbauten? Geht. Großformat­kamera aufnahme­bereit montieren, Kissen unterlegen und dorthin fahren, wo man am nächsten Morgen vor Sonnen­aufgang sein möchte; daselbst noch ein Kissen rein und im King Size Roadside Bed räkeln (Distanzstück für die Heckklappen­verriegelung nicht vergessen)? Geht. Oder ich denke an etliche Relativ­schwer­transporte, mit denen ich den größten Teil meiner zusammen viele Tonnen gewichtigen Werkstatt­einrichtung aus allen Ecken der Republik zusammen­getragen und dabei mittler­weile vermutlich fast fünf­stellige Speditions­kosten einge­spart habe. (Bei solchen Transporten kommen übrigens ganz andere Muskeln unter Spannung als beim beliebten IKEA-Parkplatz­tetris, bei dem man mit so einem Raumschiff fast schon unfaire Vorteile genießt. Bodo, der gusseiserne A4-Tiegel, stieg etwa in Kassel per E-Stapler auf einer Palette zu und ließ sich daheim von drei starken Männern nur mühsam von der Lade­fläche hinab­komplimentieren.)

Ein gesondertes Sympathie­pünktchen bekommt der Caddy von mir dafür, dass er (aktuelles Facelift ausgenommen) wie ein ehrlicher Liefer­wagen aussieht und nicht wie ein spießiges Wohnzimmer auf 17-Zoll-Alus mit feinsten Polysander-Applikationen am Schaltknauf. Wobei genau dieser Umstand aus dem Blickwinkel von Pubertisten, die in einer Region leben, in der der Q7 üblicherweise nur noch gehalten wird, damit das Au-pair einen Dienstwagen hat, auch zur Abwertung führen kann.

Jedenfalls haben wir ja extra noch, nachdem die Kauf­entscheidung feststand, so lange gewartet, bis sich die neuere Motoren­generation auch in der Nutzfahrzeug­sparte durch­gesetzt hatte. Und damit wir möglichst die nächsten fünfund­zwanzig Jahre vom Autokauf verschont bleiben würden, haben wir, Gipfel der Ironie, den zweit­kleinsten Diesel genommen …

Man mag das naiv finden, aber es ist nun mal so: Anno 2013 war die Erkenntnis, dass Selbst­zünder auch mit allen zeit­gemäßen Reinigungs­techniken noch problematisch sind, noch nicht so nieder­schwellig zugänglich wie 2017. Als weitest­gehend ahnungs­loser Konsument, der sich um ideologie­freie, divers gespeiste Meinungs­bildung bemühte, konnte man damals auf die Idee kommen, das sei eine prima Brücken­technologie, bis die E-Flitzer nicht mehr primär aus den Braunkohle­kraftwerken rauchen. Und jetzt musst du fast täglich damit rechnen, mit der Kiste nicht noch mal nen Setzschrank abholen zu können, weil der Kollege in einer Umweltzone wohnt.

Derweil richtet sich die werte Hersteller­schaft (die sich ja offen­sichtlich aus mehr als nur einem Hersteller rekrutiert) ziemlich komfortabel darin ein, kulant an der Software zu justieren und jegliche Hardware-Anpassung (wie Kapazitäts­erweiterung für die Harnstoff-Einspritzung) nur individuell mit dem Keilriemen aus sich rausprügeln zu lassen. Dabei ist sie sich nicht zu fein, sich aus der Politik den Rücken freihalten zu lassen – ganz traditionelle deutsche Schlüssel­technologie …

***

Gemerkt übrigens? Genau so könnte man einen professionellen Influencer-Marketing-2.0-Artikel formulieren. Volkswagen, jemand am mit am Lesen?

Und aus mehrfach gegebenem Anlass, statt die Kommentarspalte gleich zuzumachen: Natürlich war diese Bemerkung ironisch gemeint.

Visiönchen

Was spricht eigentlich dagegen, in einer ersten Betaphase das Ruhrgebiet zu untertunneln (großflächig vorgearbeitet wurde ja schon) und Gertruds Eierlikörpralinen zukünftig drei Stockwerke unter dem Stau per autonomer Elektromobilität von Castrop-Rauxel nach Gelsenkirchen zu verfrachten? Man könnte vielleicht was dabei lernen …

Kurz notiert

1
Schnelles Denken, langsames Denken
lautet der Titel eines faszinierenden Buchs des Kognitions­psychologen Daniel Kahneman. Es behandelt laienfreundlich die Mechanismen der Entscheidungs­findung und fängt ganz harmlos (und sehr gut lesbar – Übers. Thorsten Schmidt) an, weist aber im weiteren Verlauf so über­zeugend nach, dass die von gewissen ökono­mischen Schulen behaup­teten streng ratio­nalen Akteure eben dies, Behaup­tungen ohne reale Substanz, sind, dass ich mich sogar dabei ertappte, dem Autor sein Plädoyer pro Nudging nicht übel zu nehmen. An diesem Punkt fehlten mir allerdings Überle­gungen, wer mit welchem Mandat wem gegenüber in welchem Umfang stups­befugt sein sollte; aber gut, dann wäre der Schinken noch mächtiger geworden, und ich wäre womöglich immer noch nicht fertig.

2
Wann kommt endlich WordPress 4.9.1? Soll ich echtjetz auf den ganz ersten Minor updaten? Wer macht denn so was? (Schon klar: ungefähr alle außer mir.)

3
Schnelle Browser, langsame Browser
Firefox ist wieder cool. Wusstet ihr schon. Wär mir nicht aufge­fallen, weil ich den längst nur noch im Dock dulde, da es ganz praktisch ist, einen Browser mit Startseite 192.168.178.1 zur Hand zu haben. Ja, fritz.box – nein, mühsam :)

Chrome würde ich aus Gründen ja nicht mal mit dem kleinen Zeh anfassen, aber der ist blöderweise seit Jahren bei mir der Einzige, mit dem ich verläss­lich meine Umsatz­steuer­voranmeldung abgeben kann, unabhängig vom gefühlt halb­monatlichen Website-Redesign bei der Krähe. Beim letzten Mal funktionierte das übrigens am besten, nachdem ich das Fenster auf etwa 480*800px zugeschubst hatte. Mobile first in Reinkultur – die Kollegen von elster­online sind sogar noch cooler als Firefox.

Opera kann man ohne Gedöns mit ange­schaltetem VPN starten, und in ziemlich seltenen Fällen ist es leidlich nett, ohne den Tor-Bremser Geoblocking umgehen zu versuchen zu können.

Safari ist meine einzige Anwendung, auf die die iCloud zugreifen darf: für die weniger sensible zentrale Lese­zeichen­sammlung und für nahtloses Weiter­arbeiten beim Wechsel zwischen MacOS- und iOS-Geräten. Wobei der Terminus „Arbeiten“ – i.S.v. arbeiten können, wie mans vom Rechner kennt und mit Recht erwartet – im Zusammen­hang mit dem iPad mutmaßlich-bekanntlich ein erschreckend schlechter Witz ist. – Ach, und flickr läuft im Safari rund. (Oh je, Kerl, beschrei’s nicht.)

Den Tor-Browser habe ich da oben verschaukelt, aber seit er an der Vectoring-Buchse so etwas wie Performance erahnen lässt, ist er endlich, aus in diesem Blog vielfach erörterten Gründen und nicht nur wegen seiner berückenden Multi­color­zwiebel, mein unange­fochtener Liebling. Funktioniert halt quasi nichts damit, was das Jungvolk im Netz machen will, aber (fast) alles, was ich von einem Browser brauche und erwarte. Ich nutze ihn auf den Macs unter eben diesem Namen bzw. auf dem Pad als Tob.

Aber nicht auf der Xubuntu-VM. Da nehme ich nun doch den normalen Firefox, weil der direkt unter Thunderbird im Menü steht und ich da möglichst wenig Arbeit haben will.

4a
Die virtuelle Maschine brauch ich aber auch nicht aus Privacy-Tüdelü, sondern um in Theorie und Praxis für die dräuende Post-Mac-Ära gerüstet zu sein. Denn seit dem 2012er Non-Retina MBP haben die ja nix G’scheits mehr gebaut, und wer weiß, wie lange die Kisten noch mitmachen.

4b
Wobei natürlich Scribus, obschon ganz okay inzwischen, nicht mal ansatz­weise mit InDesign mithalten kann. Auch nicht mit Quark XPress übrigens, das man gerade in der 2015er Vollversion (no tricks, zwei Installationen, nur maxiaufwendiges Anmelden und Downloaden) fürn Zehner, also ziemlich exakt 1% des damaligen VK, nämlich für den Kaufpreis des aktuellen c’t-Sonderhefts „Kreativ arbeiten“, in der Bahnhofs­buchhandlung findet. – Moment mal, ich habe es doch nur auf einem Mac instal­liert, dann könnte ich notfalls auch auf Windows 10 … Schatz, Schaaatz, wo hattest du das Desinfek­tions­mittel hingepackt?

5
In echt weiß ich natürlich, wo dit Fläschgen steht – denn ich bilde mir ein, dass man es meinen letzten paar Texten anmerken kann, dass sie in den dunkelsten Nacht­stunden unter dem nicht wenig euphori­sierenden Einfluss solider Fieber­schübe (oder sind diese Medika­mente einfach verflixt guter Stoff? Jedenfalls sind sie noch ohne WLAN. Glaub ich.) entstanden sind. Wenn mir der Quatsch nach hoffent­licher Rekonva­leszenz zu quatschig ist, lösch ich ihn also vielleicht wieder. Seid mir dann nicht böse, bitte, danke.

6
Schnelles Schreiben, langsames Schreiben (danke, reicht jetzt auch)
Jedenfalls bin ich im Flow wie selten, aber gleich­zeitig ist die Tipperei eine harte Zumutung. (Bis hierher hat die Artikel­produktion drei Shirts durch­geschwitzt. Haste auch nicht alle Tage.) Ich glaube, vor der nächsten Erkältungs­saison installiere ich eine SprachKrächzerkennungs­software.

***Letzte Frage***Hab extra den höchstbewerteten Schneebesen im ganzen Internet bestellt. Aber wie soll ich damit den Bürgersteig freikriegen?***

Kurz notiert

1a
Möchtet ihr nicht auch dringend für jeglich’ Zipperlein Pillen verschrieben bekommen, die eurem Doktor nach der Einnahme per WLAN mitteilen, „Mission accomplished, der Patient war folgsam“? Herzliche Lese­empfehlung.

Und lässt es sich noch rekonst­ruieren, wann und warum Befreiung und Entmün­digung zu Synonymen umdefiniert worden sind?

1b
Ebenfalls eine interes­sante Frage, lieber Sascha Lobo, die im letzten Abschnitt der Kolumne nur diffus anklingt, ist ja, ob und auf welcher moralischen Grundlage wir es zulassen wollen, dass eine technik­begeisterte (enorm große) Mehrheit die Menschen­würde einer (verschwindenden) Minderheit unter die Grasnarbe trampelt. Ich selbst finde ja schon den gefühlten Rechtfertigungs­zwang für Kein Facebook, kein What’s App usw. auf einer Metaebene unangenehm, irgendwie intrusiv. Und bald also Dünnflitsch­tabletten, die durch mich durch zur Fritzbox funken – man muss kein Zeuge Jehovas sein, um solche Therapie­formen entschieden abzulehnen. Wenn sich für lebens­bedrohliche Situationen dadurch neue Heilmöglich­keiten auftun? Unbedingt her damit, vieltausend Dank! Aber nicht jedem Darmwind sollte durch Orkan­warnstufe begegnet werden. (Hört ihrs auch von da hinten? Aber die Daaaaaten …)

Gibt es ein richtiges Leben im digitalen? Zweifel sind angebracht.

2
Übrigens auch daran, dass es seine Richtig­keit hat, wenn ein Schüler Note Sechs bekommt, wenn er beim Mittel­strecken­schwimmen die Mindest­marke um eine Sekunde verpasst – also genau dieselbe Note wie die Mitschüler, die nach unter­schiedlichen Teil­distanzen aussteigen, und wie der Klassen­kifferling, der erst gar nicht ins Becken hüpft. Wollte ich nicht glauben, als es mir meine Tochter erzählt hat. Aber formal richtig ist das, steht nämlich so in den Fachanfor­derungen Sport. Entscheidend ist demnach sogar nur die Zehntel­sekunde. Wahrschein­lich schlucken die Kiddies vorher WLAN-Signalgeber, damit das anfecht­bar­keitsfrei – wir kennen ja uns Heli-Eltern – klappt mit der Zeitnahme …

Aber ob es auch mora­lisch richtig ist und welches päda­gogische Geheim­wissen zu der Erkenntnis führt, dass Bestrafung und Ernied­rigung automatisch zu einem dauerhaft gesunden Verhältnis zu körper­licher Bewegung anleiten, das lasse ich mir jetzt vom zustän­digen Ministerium erklären. Ich versuche es zumindest, und wenn ich Antwort bekommen sollte, lasse ichs euch wissen. Sollte keine oder nur Blablub kommen, wäre ich für Empfeh­lungen zur empfehlens­wertesten Kampagnen­plattform dankbar. (Ih, digital. Oder ich drucke Propaganda­postkarten für menschen­würdigen Sport­unterricht.)

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