Geschäftsmodell: Auf Fehler des Kunden warten

Einem Familienmitglied, das etwas höheren Mobilfunk-Bedarf hat als ich, ist gerade beim Jonglieren mit den Datenoptionen ein Missgeschick passiert: Das Prepaid-Guthaben war erst aufgeladen worden, nachdem die letzte Monats-Flatrate ausgelaufen war. Die neue Option war vermeintlich wieder bestellt, aber die SMS zur Bestätigung noch nicht eingetroffen. Trotzdem wurde emsig gesurft, und so war das Guthaben – das für knapp fünf Monats-Flatrates gereicht hätte – innerhalb eines Tages komplett aufgebraucht.

Ganz klar ein Fehler seitens des Kunden, einerseits – unter Lehrgeld zu verbuchen. Andererseits kann man sich da schon mal fragen, warum es in solchen Fällen keine rechtzeitigen automatisierten Warn-Hinweise gibt: „Sie haben gerade den Gegenwert zweier Monats-Flatrates binnen weniger Stunden verbraucht – möchten Sie nicht lieber eine Option buchen?“ Aber mit Sitte und Anstand lassen sich in diesem Sektor offensichtlich schlecht Geschäfte machen …

Denn solches Gebaren passt ins Gesamtbild und ist nicht auf diesen einen Anbieter beschränkt. Ich selbst z.B. bin vor Jahren mal zu einem anderen Provider gegangen, weil der vorige sich geweigert hat, von selbst Rechnungen zu erstellen – die musste man monatsweise einzeln beantragen. Beim neuen hatte ich dann zuerst einen Vertragstarif, in dem es zwei SIM-Karten gab. Die zweite brauchte ich irgendwann nicht mehr (und das viele Inklusiv-Internet auch nicht), weshalb ich gekündigt und beim selben Anbieter einen kleineren Vertrag bestellt habe. Danach habe ich mich gewundert, dass die Monatsrechnung noch höher ausfiel: was daran lag, dass man mir – ohne dass das irgendwo vermerkt worden wäre – nun eine zweite SIM als kostenpflichtige Zusatzoption untergejubelt hatte. Und das lief auch nach meiner Stornierung schamlos weiter, bis ich beide alten SIMs deaktiviert und eine einzelne neue – natürlich gegen obszöne Gebühr – freigeschaltet hatte.

Das ist ein ziemlich cleveres Geschäftsmodell, schätzungsweise auf halber Strecke der Brechtschen Kriminalitätsskala zwischen Überfallen einer Bank und Gründen einer Bank; denn jeder einzelne Betrag, der in den dunkelgrauen Randzonen des geltenden Rechts abgebucht wird, ist niedrig genug, dass man sicher sein kann: Der solcherart Geschädigte wird sich nicht die Mühe machen, die Sache zu eskalieren und womöglich einen Anwalt aufzusuchen. Und nicht einmal mit Boykott und Anbieterwechsel muss man rechnen, da der Kunde die empirisch gestützte Ahnung hegt: Überall sonst geht es genauso unanständig zu.

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