Autos

Es mag gute Gründe geben, generell daran zu zweifeln, und viele davon habe ich selbst im Lauf der Jahre in dieses Blog geschrieben. Aber falls es doch ein Auto gibt, das zu mir, zu uns passt, dann ist es der Caddy Maxi mit seinem erstaunlich günstigen Preis-Fassungs­vermögen-Quotienten.

Vier Leute, vier Fahrräder, Tages­gepäck spontan ohne Um- und Anbauten? Geht. Großformat­kamera aufnahme­bereit montieren, Kissen unterlegen und dorthin fahren, wo man am nächsten Morgen vor Sonnen­aufgang sein möchte; daselbst noch ein Kissen rein und im King Size Roadside Bed räkeln (Distanzstück für die Heckklappen­verriegelung nicht vergessen)? Geht. Oder ich denke an etliche Relativ­schwer­transporte, mit denen ich den größten Teil meiner zusammen viele Tonnen gewichtigen Werkstatt­einrichtung aus allen Ecken der Republik zusammen­getragen und dabei mittler­weile vermutlich fast fünf­stellige Speditions­kosten einge­spart habe. (Bei solchen Transporten kommen übrigens ganz andere Muskeln unter Spannung als beim beliebten IKEA-Parkplatz­tetris, bei dem man mit so einem Raumschiff fast schon unfaire Vorteile genießt. Bodo, der gusseiserne A4-Tiegel, stieg etwa in Kassel per E-Stapler auf einer Palette zu und ließ sich daheim von drei starken Männern nur mühsam von der Lade­fläche hinab­komplimentieren.)

Ein gesondertes Sympathie­pünktchen bekommt der Caddy von mir dafür, dass er (aktuelles Facelift ausgenommen) wie ein ehrlicher Liefer­wagen aussieht und nicht wie ein spießiges Wohnzimmer auf 17-Zoll-Alus mit feinsten Polysander-Applikationen am Schaltknauf. Wobei genau dieser Umstand aus dem Blickwinkel von Pubertisten, die in einer Region leben, in der der Q7 üblicherweise nur noch gehalten wird, damit das Au-pair einen Dienstwagen hat, auch zur Abwertung führen kann.

Jedenfalls haben wir ja extra noch, nachdem die Kauf­entscheidung feststand, so lange gewartet, bis sich die neuere Motoren­generation auch in der Nutzfahrzeug­sparte durch­gesetzt hatte. Und damit wir möglichst die nächsten fünfund­zwanzig Jahre vom Autokauf verschont bleiben würden, haben wir, Gipfel der Ironie, den zweit­kleinsten Diesel genommen …

Man mag das naiv finden, aber es ist nun mal so: Anno 2013 war die Erkenntnis, dass Selbst­zünder auch mit allen zeit­gemäßen Reinigungs­techniken noch problematisch sind, noch nicht so nieder­schwellig zugänglich wie 2017. Als weitest­gehend ahnungs­loser Konsument, der sich um ideologie­freie, divers gespeiste Meinungs­bildung bemühte, konnte man damals auf die Idee kommen, das sei eine prima Brücken­technologie, bis die E-Flitzer nicht mehr primär aus den Braunkohle­kraftwerken rauchen. Und jetzt musst du fast täglich damit rechnen, mit der Kiste nicht noch mal nen Setzschrank abholen zu können, weil der Kollege in einer Umweltzone wohnt.

Derweil richtet sich die werte Hersteller­schaft (die sich ja offen­sichtlich aus mehr als nur einem Hersteller rekrutiert) ziemlich komfortabel darin ein, kulant an der Software zu justieren und jegliche Hardware-Anpassung (wie Kapazitäts­erweiterung für die Harnstoff-Einspritzung) nur individuell mit dem Keilriemen aus sich rausprügeln zu lassen. Dabei ist sie sich nicht zu fein, sich aus der Politik den Rücken freihalten zu lassen – ganz traditionelle deutsche Schlüssel­technologie …

***

Gemerkt übrigens? Genau so könnte man einen professionellen Influencer-Marketing-2.0-Artikel formulieren. Volkswagen, jemand am mit am Lesen?

Und aus mehrfach gegebenem Anlass, statt die Kommentarspalte gleich zuzumachen: Natürlich war diese Bemerkung ironisch gemeint.

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1 Kommentar zu „Autos“

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