Kurz notiert

1a
Möchtet ihr nicht auch dringend für jeglich’ Zipperlein Pillen verschrieben bekommen, die eurem Doktor nach der Einnahme per WLAN mitteilen, „Mission accomplished, der Patient war folgsam“? Herzliche Lese­empfehlung.

Und lässt es sich noch rekonst­ruieren, wann und warum Befreiung und Entmün­digung zu Synonymen umdefiniert worden sind?

1b
Ebenfalls eine interes­sante Frage, lieber Sascha Lobo, die im letzten Abschnitt der Kolumne nur diffus anklingt, ist ja, ob und auf welcher moralischen Grundlage wir es zulassen wollen, dass eine technik­begeisterte (enorm große) Mehrheit die Menschen­würde einer (verschwindenden) Minderheit unter die Grasnarbe trampelt. Ich selbst finde ja schon den gefühlten Rechtfertigungs­zwang für Kein Facebook, kein What’s App usw. auf einer Metaebene unangenehm, irgendwie intrusiv. Und bald also Dünnflitsch­tabletten, die durch mich durch zur Fritzbox funken – man muss kein Zeuge Jehovas sein, um solche Therapie­formen entschieden abzulehnen. Wenn sich für lebens­bedrohliche Situationen dadurch neue Heilmöglich­keiten auftun? Unbedingt her damit, vieltausend Dank! Aber nicht jedem Darmwind sollte durch Orkan­warnstufe begegnet werden. (Hört ihrs auch von da hinten? Aber die Daaaaaten …)

Gibt es ein richtiges Leben im digitalen? Zweifel sind angebracht.

2
Übrigens auch daran, dass es seine Richtig­keit hat, wenn ein Schüler Note Sechs bekommt, wenn er beim Mittel­strecken­schwimmen die Mindest­marke um eine Sekunde verpasst – also genau dieselbe Note wie die Mitschüler, die nach unter­schiedlichen Teil­distanzen aussteigen, und wie der Klassen­kifferling, der erst gar nicht ins Becken hüpft. Wollte ich nicht glauben, als es mir meine Tochter erzählt hat. Aber formal richtig ist das, steht nämlich so in den Fachanfor­derungen Sport. Entscheidend ist demnach sogar nur die Zehntel­sekunde. Wahrschein­lich schlucken die Kiddies vorher WLAN-Signalgeber, damit das anfecht­bar­keitsfrei – wir kennen ja uns Heli-Eltern – klappt mit der Zeitnahme …

Aber ob es auch mora­lisch richtig ist und welches päda­gogische Geheim­wissen zu der Erkenntnis führt, dass Bestrafung und Ernied­rigung automatisch zu einem dauerhaft gesunden Verhältnis zu körper­licher Bewegung anleiten, das lasse ich mir jetzt vom zustän­digen Ministerium erklären. Ich versuche es zumindest, und wenn ich Antwort bekommen sollte, lasse ichs euch wissen. Sollte keine oder nur Blablub kommen, wäre ich für Empfeh­lungen zur empfehlens­wertesten Kampagnen­plattform dankbar. (Ih, digital. Oder ich drucke Propaganda­postkarten für menschen­würdigen Sport­unterricht.)

*** Letzte Meldung *** Solide schulsportlich gebildeter Reisender von Beltfähre gestürzt *** Sicher­heits­halber in Rekord­zeit Richtung Ufer geschwommen *** 100 Meter vor Kaimauer entkräftet ertrunken ***

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1 Kommentar zu „Kurz notiert“

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