Hundekuchenkommunikation

Es gibt Menschen, die glauben an die Existenz von Social Media. Und daran, dass Social Media ein ganz duftes Umfeld für neue Formen von Marketing ist. Das ist Quatsch. „Social Media“ ist bloß ein Wortkonstrukt; worum es da geht, hat mit klassischen Medien nur die Distributionskanäle gemein, nicht aber die Eignung für Reklame.

Medien sind nämlich one-way oder zumindest massiv asymmetrisch angelegt, mit einem dürftigen Rückkanal in Gestalt eines einsamen Leserbriefredakteurs, und der tiefere Sinn ihrer Existenz ist die Bereitstellung eines werblich optimal nutzbaren Ambientes. Was in Marketingkreisen als Social Media bezeichnet wird, ist demgegenüber ein erweitertes soziales Umfeld (der Zeitgeist würde „Network“ sagen). Hier geht es nicht um Information, sondern um Kommunikation. Austausch auf Augenhöhe, gleichberechtigt. Von Mensch zu Mensch.

Marken aber sind keine Menschen, auch wenn ihre Schöpfer das manchmal vergessen. „Markenkommunikation“ ist in etwa so sinnvoll wie „Hundekuchenkommunikation“. Mit Marken kommuniziere ich nicht, schon gar nicht in meinem gewohnten sozialen Umfeld. Ja, Marketing in Dialogform kann trotzdem glaubwürdig sein, aber nur, wenn der Dialog nicht vom Unternehmen, sondern vom Kunden ausgeht. (Äußerstenfalls ist es für das Unternehmen und seine ausführende Werbeagentur statthaft, die Bereitschaft zum Dialog zu signalisieren.) Jeder Versuch hingegen, das Phantom Social Media als weiteren Push-Kanal für konventionelles Marketing zu verstehen, ist in meinen Augen zum Scheitern verurteilt; jeder unangemeldete Versuch, auf meinen angestammten Kommunikationskanälen mit mir in Kontakt zu treten, diskreditiert eine Marke sofort und auf Dauer.

(Nur am Rande sei bemerkt, dass auch solche fails noch steigerungsfähig sind: Wenn nämlich ein Unternehmen es beispielsweise für geboten hält, dieselben Leute als Testimonials für ihre socialmedialen Ambitionen zu engagieren, denen es gerade erst, sinnbildlich, durch sein schleimiges Anbiedern an zensurfreudige Politiker mit den Stiefeln ins Gesicht gesprungen ist.)

ex Juli 2009, http://cwoehrl.de/?q=node/617

Advertisements

2 Kommentare zu „Hundekuchenkommunikation“

  1. Ich glaube so was wird, wenn es erkannt wird, als SPAM bezeichnet und fällt dem Unternehmen hoffentlich auf die Füße.

  2. Nun, es gibt wohl eine Theorie, derzufolge jede Publicity gute Publicity ist. Aus dieser Sicht dürfte die Kampagne, auf die ich mich beziehe, bereits jetzt als voller Erfolg gelten. Ob wohl das Instrumentarium heutiger Werbeerfolgskontrolle hier feiner differenzieren kann?

Sag doch was!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s