Flotte Seiten, zähe Seiten

Momentan bemühe ich mich redlich, während der werktäglichen U-Bahn-Fahrten eine Bildungslücke zu schließen: Ich lese den „Zauberberg“. Das gestaltet sich allerdings unerwartet schwierig, denn als so geschwätzig hatte ich Thomas Mann bisher nicht kennen gelernt. Das Panoptikum, das hier dargeboten wird, ist zweifellos opulent ausgestattet, aber nach jetzt 150 von knapp 1000 Taschenbuch-Seiten würde ich mich freuen, wenn die Geschichte endlich losgeht. Die Kunst des netten Plauderns beherrscht etwa Marcel Proust eindeutig besser und mit weniger lästigen Wiederholungen: Wenn ich noch ein Mal „litewkaartige Joppe“ lese, schrei‘ ich. Und sei’s in der U-Bahn …

Seit meinen letzten kritischen Zeilen habe ich allerdings auch ein Buch gelesen, das mir meist gut gefallen hat: „Die Heimkehr“ von Bernhard Schlink. Zwar kann ich Kritiken, der Roman einer mehrfachen Odyssee sei mit Bedeutung nur so überfrachtet, durchaus nachvollziehen; sicherlich ist es auch kein so großer Wurf wie Schlinks „Vorleser“. Dennoch: eine gut lesbare, speziell in den Dekonstruktivismus-Passagen recht anregende Geschichte, deren Stärke für mich in einem glaubwürdigen, seiner Defizite bewussten Erzähler liegt.

ex November 2007, http://wort-und-satz.de/system-cgi/blog/index.php?itemid=590

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1 Kommentar zu „Flotte Seiten, zähe Seiten“

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