Manchmal sinds die kleinen Dinge

Lag es nur am durchwachsenen für Sommerverhältnisse erfreulich erträglichen Wetter oder hatte es auch damit zu tun, dass wir in Dänemark statt in Deutschland unterwegs waren? Jedenfalls wurden wir dieses Jahr beim Radeln an der Ostsee bei keinem einzigen Zeltplatz abgewiesen und hatten auch sonst viel Spaß und kaum Ärger. Ein kleiner Bericht folgt an dieser Stelle, sobald die Filme entwickelt und gescannt sind, bis dahin gibts schon mal ein paar allgemeine Notizen.

Packlisten fürs Camping sind, speziell wenn der Platz wie beim Radeln sehr begrenzt ist, eine Wissenschaft für sich, leben von Fantasie und Improvisation und sind stetem Wandel unterworfen. Hier zeige ich euch ein paar Dinge, die uns dieses Mal als besonders nützlich aufgefallen sind:

Für die kleine Wäsche gibt es zwar im Outdoorladen pfiffige Leinen, die elastisch und doppelt in sich verzwirbelt sind, um die Klamotten ohne Klammern zu halten. Das funktioniert aber bei starkem Wind bestenfalls für Socken, nicht aber für T-Shirts und Handtücher. Und normale Wäscheklammern haben in der für vier Personen nötigen Stückzahl schon wieder ein viel zu großes Packmaß. Dieser Fund im Euroladen entpuppte sich insofern als Glücksgriff:

Die Klammern sind klein, leicht und halten Windböen sogar noch etwas besser stand als die gefederten. Und selbst ohne Klappmechanik kann man damit auch spielen:

Worauf schneidet man denn unterwegs einen Laib Brot? Die clevere Antwort meiner Liebsten lautet: Man nehme eine Schneideunterlage vom Discounter und säble sie auf ein Format zurecht, das es ermöglicht, die Matte ohne Falzen oder Rollen in die Hinterradtasche zu schieben.

Und womit schneidet man das Brot? Das Messer im Bild oben hat sich für diesen Zweck nun schon seit mehr als zehn Jahren bewährt. Es hat eine rund 14 cm lange, schlanke Klinge ähnlich der typischen Laguiole-Form, ist allerdings bloß ein “Slim-Line”-Modell von Opinel und kostet entsprechend nur einen Bruchteil des Klassikers. Und die Klinge ist ohne jegliches Nachbehandeln immer noch biestig scharf.

Letztes Jahr hatte ich zur Fahrradsicherung ja noch das Zweieinhalbkilo-Panzerkabel dabei, das in der Großstadt unverzichtbar, auf Zeltplätzen im Nirgendwo aber völlig überdimensioniert ist. Das hier sollte reichen:

Und zwar, wenn es nur ums Zusammenschließen geht, sogar für alle vier Fahrräder. Da diese Stahlseile nur wenige hundert Gramm wiegen, hatten wir allerdings zwei dabei, die sich bei Bedarf koppeln lassen. Damit konnten wir die Drahtesel dann auch an dickere Baumstämme o.ä. anschließen.

Ach so, und einen schönen Trick habe ich mir dieses Jahr bei Dirk abgeschaut (Gruß nach Hessen): Seit 20 Jahren koche ich mit einem Benziner, der, wenn man ihn nur hinreichend hingebungsvoll pflegt, ein enorm leistungsfähiger Mobilherd ist. (Kochen ist damit bei uns allerdings Männersache, weil min Fru sich partout nicht an die Special Effects beim Vorheizen gewöhnen möchte …). Seit einiger Zeit zickte er allerdings ziemlich rum und wollte keine saubere Flamme mehr starten, und das trotz edlem Primus Fuel im Tank. Der Radlerkollege auf Langeland brachte mich dann drauf, entgegen der expliziten Vorschriften in der Anleitung die Vorheizflamme ganz ausgehen zu lassen und den eigentlichen Brennvorgang anschließend erneut zu zünden. Und was soll ich sagen? Arbeitet jetzt wieder einwandfrei. Nur warum bin ich nicht von selbst auf die Idee gekommen? Wahrscheinlich weil das Flammenwerferli so lange auch anleitungskonform funktioniert hat, dass ich mir irgendwann einredete, da sei irgendein Anwenderfehler im Spiel …

Und was sind eure Geheimtipps für sinnvolle Ergänzungen des leichten Reisegepäcks?

  • Trackbacks sind geschlossen
  • Kommentare (3)
  1. Das mit den veralteten Packlisten kann ich nur unterschreiben. Meine wird von allen Seiten am häufigsten besucht und stimmt eigentlich schon vorne und hinten nicht mehr. Normalerweise ist jede Packliste vor allem viel zu lang. Irgendwann werde ich sie mal raus schmeißen und durch eine Liste ersetzen, was man alles nicht braucht. Die von Dir gewählte Form finde ich aber auch ganz hübsch.

  2. Ich finde, so was ist prädestiniert für ein Listensystem mit unterschiedlichen Kategorien. Nicht dass wir so was hätten, min Fru pflegt nur eine rudimentäre Excel-Liste …
    Könnte etwa so aussehen:
    Kat 1 – unverzichtbar (Zelt, Schlafsack, essenzielles Fahrradwerkzeug);
    Kat 2 – je nach Jahreszeit unverzichtbar (im Frühjahr und Herbst wärmere Schlafwäsche als im Sommer);
    Kat 3 – je nach Teamzusammensetzung wichtig (Spielkarten und Internethandy brauche ich nicht, wenn ich solo toure)
    Kat 4 – optional (nettes, aber selten benutztes Zeug wie der Taschengrill). Das ist die Kategorie, die zum Ausbalancieren ungleich bepackter Lowridertaschen dient.
    Kat 5 – überflüssig, trotz etwaiger Versuchung auf jeden Fall daheimlassen

  3. So etwas ähnliches habe ich sogar. Nur eben nicht auf http://radreisen.wordpress.com/packliste/ . Vielleicht sollte ich dort einfach ein Dokument auf Google-docs verlinken.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.
Follow

Get every new post delivered to your Inbox.