faby ist fertig

Im September hatte ich euch auf Fabian Neidhardts Hörbuch-Projekt auf Basis meiner Little-Brother-Übersetzung hingewiesen. Nun, heute erreicht mich die Meldung: Er ist fertig!

Danke, faby! Ich bin sehr auf die letzten paar Kapitel gespannt :-)

Und wie es sich gehört, ist die komplette Aufnahme auch bei archive.org gespiegelt: zum Herunterladen einzeln oder als komplettes Zip-Archiv, aber auch als Audiostream.

Rein grafisch betrachtet ist der Winter prima

Er ist ja zu nix wirklich gut, dieser Schnee; aber er sieht gut aus. Ein paar Bilder der letzten Tage, per Klick auch in hoher Auflösung.

Ich glaub, es staubt

Immer mal zwischendurch habe ich für mein englischsprachiges Lochkamera-Blog ein kleines How-to zur Staubentfernung bei Filmscans geschrieben. Ich würde es für die Foto-Kategorie hier ja noch übersetzen, habe dafür aber grade keine Zeit, deshalb einstweilen nur der Querverweis.

Lowcolor jetzt auch als Blog

Für meine ersten Experimente mit dem Lowcolor-C41-Negativprozess hatte ich ja pro Film eine eigene kleine HTML-Galerie angelegt. Für derlei work in progress ist allerdings die Fotoblog-Form geeigneter, und da traf es sich gut, dass es bei WordPress noch eine geeignete Subdomain gab …

Was ich an Bildern gedämpfter Farbigkeit vorzeigbar finde, findet ihr also ab sofort unter lowcolor.wordpress.com. Die ersten 21 Bilder sind bereits bekannt, ein paar neue sind dazugekommen, und was ich derzeit an Scans auf der Festplatte habe, reicht noch drei Wochen lang für ein neues Bild pro Tag. Danach sehen wir weiter. Viel Vergnügen!

Literarischer Monatsrückblick: Januar 2010

Kinderbuch des Monats ist unangefochten Gioconda Bellis wunderbar warmherziges “Die Werkstatt der Schmetterlinge” mit Illustrationen des großartigen Wolf Erlbruch.

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In diesem Monat habe ich etliche Bildbände durchgeschmökert, teils dank des Weihnachtsmanns, teils aus der Stadtbücherei. Gut gefallen haben mir (ohne detaillierte Einzelbesprechung):

Sempé: “Sempés Paris”
Sempé: “Sempés Frankreich”
Robert Polidori: “Zones of Exclusion – Pripyat and Chernobyl”
National Geographic: “Die Bilder”

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Gerald M. Edelman: “Das Licht des Geistes”
Neben Quantenmechanik die zweite Sache, die ich nicht wirklich verstehe, aber ungemein faszinierend finde: Hirnforschung. Hier wird in leidlich amateurfreundlicher Sprache ein Modell des menschlichen Bewusstseins vorgestellt, das Automatentheorien, denen zufolge unsere Gehirne lediglich hoch entwickelte Turing-Maschinen sind, ebenso eine Absage erteilt wie der Annahme, dass es sich beim Bewusstsein um eine metaphysische Größe handelt, die kausalen Einfluss auf neuronale Aktivitäten haben kann. Nicht mal eben nebenbei zu lesender Stoff, aber spannende zeitgenössische Wissenschaft. Wie sagt Jörg Kantel immer? “Da werdet ihr bestimmt nicht dümmer von.”

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Michael Jürgs: “Seichtgebiete”
“Warum wir hemmungslos verblöden”, verspricht der Untertitel in großen Lettern Aufklärung. Zumindest das “Warum” ist allerdings klassischer Etikettenschwindel: Denn diese boshafte Zustandsbeschreibung schlechter Fernsehunterhaltung liest sich zwar streckenweise durchaus unterhaltsam, schafft es aber allen großspurigen Ankündigungen zum Trotz bis zum Schluss nicht, die Niederungen ihres Sujets zu transzendieren. Stellen wir uns viele, allzuviele Oliver-Kalkofe-Sketche als Stummfilme vor, dann sind dies hier die Untertitel. Kann man machen. Muss man aber nicht.

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Elke Heidenreich, Quint Buchholz: “Am Südpol, denkt man, ist es heiß”
Klein und fein, liebenswert albern, zum Immerwiederdrüberfreuen.

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Jean-Jacques Fiechter: “Manuskript mit Todesfolge”
Ein Verleger hat mit seinem besten Autor eine persönliche Rechnung offen und inszeniert, in Ich-Perspektive und mit brillant gesetzen Tempowechseln, einen perfiden Rachefeldzug. Der blöde deutsche Titel (das Original heißt, viel anregender, “Tiré à part”) und das leider schlampige Korrektorat sollten euch nicht davon abhalten, zwei Stunden Schlafs zu opfern.

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Shimon Malin: “Dr. Bertlmanns Socken. Wie die Quantenphysik unser Weltbild verändert”
Ein weiterer Schritt auf meinem holprigen Weg, die Grundzüge der Quantenmechanik zu begreifen, und eine recht zwiespältige Erfahrung. Zwar ist Malins Buch in puncto Lesespaß einerseits und fachlicher Tiefe andererseits Silvia Arroyo Camejos “Skurrile Quantenwelt” mindestens ebenbürtig, kann also als Einstieg für ernsthaft Interessierte wärmstens empfohlen werden. Allerdings ist das panpsychistische Weltbild, dem der Autor anhängt, für jemanden wie mich, der sich eher einem Naturalismus Dennettscher Prägung zugehörig fühlt, mitunter recht schwer verdaulich. Mag ja sein, dass die Quantenwelt vielfältige Parallelen zu Whiteheads Prozessphilosophie aufweist, aber ich gestehe gern ein, dass ich mich schwer damit tue, mich selbst als nicht kontinuierlich existierend, sondern als diskrete Abfolge von “Pulsen der Erfahrung” zu begreifen. Und das ist erst der Anfang der Zumutungen, die hier auf den Intellekt lauern … Ich denke nicht, dass ich mich bewusst und prinzipiell einem grundlegenden Paradigmenwechsel in den Weg stellen würde, aber die hier propagierte Weltanschauung ruft bei mir doch in allzu vielen Details jenen Juckreiz hervor, den ich ansonsten von der Lektüre esoterischer Traktate kenne.

Holdens Vater ist tot.

Wie ich grade auf der wp.com-Startseite lese, ist J. D. Salinger im Alter von 91 Jahren gestorben.

Wirklich bemerkenswert, welch bleibende Eindrücke dieses literarische One-Hit-Wonder bei Generationen von Lesern hinterließ. Auch bei mir, allerdings eher atypisch: Bei der erstmaligen Lektüre des “Fängers im Roggen”, es muss ca. in der neunten Klasse gewesen sein, war Holden Caulfield nicht etwa eine Identifikationsfigur für mich, sondern es entspann sich im Gegenteil der heftigste Streit, den ich je mit einem Lehrer hatte, darum, dass ich dieses Buch so unglaublich bescheuert fand, dass ich es auf keinen Fall zu Ende lesen wollte.

Mann, war ich doof damals :-)

Statt eines Kommentars

Keine Zeit für Kinder

Kinder brauchen Grenzen und sie brauchen jemanden, der ihnen _vernünftige_ Grenzen setzt. Das kann immer nur ein Mensch sein in direkter Interaktion, kein Filterprogramm, keine von außen vorgeschriebene Altersbegrenzung. Wenn ich mein Kind liebe, gebe ich ihm keinen Müll zu essen und keinen Müll zum Konsumieren.

Parse, Mogis

Im Zuge der Beschäftigung mit der Novellierung des JMStV bin ich auf TIME for Kids gestupst worden. Diese “Informationstechnologien GmbH” vertreibt Hard- und Software zur Filterung von Internet-Inhalten, insbesondere zum Einsatz an Schulen. Insofern ist bereits der Firmenname klassische Desinformation: Schließlich besteht der primäre Sinn von Netzfiltern darin, dass man sich als Erziehungsberechtigter eben nicht mehr die Zeit nehmen muss, sich selbst und unmittelbar mit dem Medienkonsum seiner Schutzbefohlenen auseinanderzusetzen, sondern diese Aufgabe auf ein unpersönliches Stück Technik abwälzen kann.

Dabei hätte man von George Orwell durchaus andere Dinge lernen können als ausgerechnet den souveränen Einsatz von Neusprech. Beispielsweise den Gedanken, dass technische Lösungen für soziale Probleme normalerweise keine gute Idee sind. Sicher, nachvollziehbar ist das schon, dass viele Eltern und Erzieher dankbar sind für solche Hilfestellungen, schließlich sind die rapiden Entwicklungen im Internet für viele ältere Semester kaum mehr nachzuverfolgen. Aber welches Verständnis von Erziehung manifestiert sich denn in der Bereitschaft, sich selbst aus jeglicher Fortbildung auszuklinken und seine Kinder der Obhut irgendwelcher kommerziell interessierter Dienstleister anzuvertrauen?

Im wirklichen Leben käme ich doch auch nicht auf die Idee, mein kleines Kind allein über die Reeperbahn zum Einkaufen zu schicken im Vertrauen darauf, dass die Türsteher vor den einschlägigen Clubs schon dafür sorgen, dass es nicht falsch abbiegt. Genauso verantwortungslos ist es, Schutzprogramme zu installieren und Kinder dann unbeaufsichtigt ins Internet zu lassen. Äußerstenfalls kann ein lokal installierter Filter eine Ergänzung sein, ganz sicher aber ist er kein Ersatz für die individuelle Beschäftigung von Erziehungsberechtigten mit dem Kommunikations- und Informationsverhalten ihrer Kinder.

Ja, das kann in viel Arbeit ausarten, und es zwingt uns eventuell auch dazu, uns mit Dingen zu beschäftigen, für die wir uns im Leben nicht aus eigenem Antrieb interessieren würden. Aber wenn wir bereits an dieser Stelle bereit sind, aus Bequemlichkeit unsere Verantwortung abzutreten, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn der Staat und interessierte Privatfirmen auch die Verantwortung für uns selbst usurpieren wollen; dann haben wir ein zensiertes, kastriertes Restinternet ohne Kommunikations- und Meinungsfreiheit redlich verdient.

Nachtrag: ein lesenswertes Fundstück zum Thema.

Demnächst auf dieser Website?

Die vorläufig fiktive BSK wäre die “Blogbetreiber-Selbstkontrolle”, und so eine bräuchten wir demnächst, wenn der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag wie geplant novelliert wird.

Es gibt eine Menge gute Gründe, warum das nicht passieren darf, und die haben wir beim AK Zensur in einer ausführlichen Stellungnahme zusammengetragen (11-seitiges PDF). Die zugehörige Webseite ist hier. Und bei 1&1 sieht man das Ganze auch recht drastisch.

Ach guck, zwischen Bildbearbeitung und Veröffentlichung dieses Artikels trägt mir der Feedreader zu, dass ich nicht der Einzige war, der diese Idee hatte … Aber gut, drängt sich ja auch auf hier :)

Postscriptum: Und wie ihr hier nachlesen könnt, ist das Thema durchaus schon älter.

Kastrierte Pudel mit Hintertürchen

Dass der gegenwärtige Trend zu “Apps” statt konventionellen Programmen gewisse Probleme mit sich bringt, hat Christian Stöcker gestern bei Spiegel online sehr anschaulich beschrieben. Tatsächlich dürfte nicht von der Hand zu weisen sein, dass die Programmierung von Software innerhalb von geschlossenen Systemen (in den Worten des Autors “kastrierte Pudel”) mittelfristig Innovation hemmt und Monopolisierung fördert. Doch aus meiner Sicht fehlen hier noch zwei wesentliche Kritikpunkte.

Einerseits wäre die möglichst breite Nutzung quelloffener, freier Systeme eine wunderbare Möglichkeit, Medienkompetenz zu fördern – bei Erwachsenen ebenso wie beispielsweise in der Schule: Während die Black Box zwar oft leichter bedienbar ist als ihr freies Pendant, für Reparatur und Support aber nach zertifizierten Experten verlangt und der Nutzer künstlich dumm gehalten wird, begünstigen Open Source und Co. Experimentierfreude und spielerische Fortbildung aus eigenem Antrieb (“Fordern und Fördern”, hier endlich mal sinnvoll).

Andererseits sind geschlossene Systeme auch vor dem Hintergrund stets bizarrerer weltweiter Auswüchse von Digital RightsRestrictions Management, Überwachungs- und Zensurmechanismen abzulehnen: Denn wo die Spezifikationen von Hard- und Software offenliegen und jeder fachkundige Interessierte die “Innereien” analysieren kann, da sinkt das Risiko, dass der Hersteller auf Geheiß etwa von Regierungen oder auch in Kooperation mit Wirtschaftsunternehmen Hintertüren zum Schaden des Nutzers in seine Produkte integrieren kann.